Exzellenz informationell abgesichert?

VerfasserInnen

Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"

Publikationsinformationen

Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2007
2007
Konstanz
Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
Pressemitteilung
12/07
Pressemitteilung
Deutsch

Abstract

Volltext

Pressemitteilung 12/07

vom 22. Oktober 2007

Exzellenz informationell abgesichert?

Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft gratuliert den Exzellenzuniversitäten zu ihrer Auszeichnung und hofft, dass dort und an allen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, weiterhin Forschung auf informationell abgesicherter Basis betrieben werden kann. Exzellenz kann nur dort sein, wo umfassend zur Kenntnis genommen werden kann, was andere Exzellenzen schon erarbeitet haben.

Das, so zeichnet sich schon ab, wird nach der jetzt Gesetz werdenden Urheberrechtsregulierung nicht mehr so einfach sein:

  • Erste Bibliotheken wie Potsdam haben ihren elektronischen Dokumentservice eingestellt, da der neue § 53a der Verlagswirtschaft dafür quasi ein Monopol zugesteht.
  • Der bibliotheksübergreifende Dokumentlieferdienst subito hat seine Nutzungsbedingungen ebenfalls schon angepasst mit der grotesken Wirkung, dass elektronische Dienste jetzt für das internationale Ausland leichter zu realisieren sind, als für Deutschland selber.
  • Diese Woche hat die Max-Planck-Gesellschaft mitgeteilt, dass sie den Lizenzvertrag mit dem Springer-Verlag für dessen elektronische Zeitschriften gekündigt hat, weil die Nutzungsbedingungen und die Preispolitik unakzeptabel waren.

Auch der Sprecher des Aktionsbündnisses, Professor Rainer Kuhlen, spürt bereits erste Auswirkungen der Urheberrechtsreform: „Auf der Suche nach einem Artikel aus einer Standardzeitschrift in der Berliner Staatsbibliothek wurde mitgeteilt, dass die Druckversion der Zeitschrift aus Kostengründen nicht mehr abonniert werde, aber elektronisch eingesehen werden könne. Zum Preis von 30 Euro pro Artikel.“

Bildung und Wissenschaft drohen in eine reale Versorgungskrise zu geraten. Die Exzellenzuniversitäten werden nun vielleicht das Geld haben, auf die im neuen Urheberrecht weitgehend durchgesetzten Bedingungen der globalen Verlagswirtschaft einzugehen — für die anderen und erst recht für die Studierenden wird dann wohl Google der Ausweg sein. Ob das mit dem vom Bundestag verabschiedeten „Urheberrecht in der Informationsgesellschaft“ gemeint war?

Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“

Bezug zu Gesetzen/Artikeln

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